Der Themendienst des Fachbeirats für den ökologischen Landbau

Bonn / Berlin (ots) - Der Themendienst ist ein Service des Bundesprogramms Ökologischer Landbau. Jede Themendienst-Ausgabe wird von einem Team von sechs Journalisten erstellt und von einem eigens dafür einberufenen Fachbeirat geprüft und herausgegeben. Ziel ist die bessere Verknüpfung von Forschung und Praxis im Bereich Ökolandbau. Zielgruppe des Themendienstes sind Journalisten und interessierte Akteure im Bereich Ökolandbau.


Ausgabe 07/2008

INHALT:

1. Neue Chance für alte Schweinerasse
2. Besser Backen - dank Erbse und Bohne
3. "Wer will fleißige Handwerker sehn ..."
4. Gut gelagert über den Winter
5. Winterackerbohnen im Ökolandbau

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1. Neue Chance für alte Schweinerasse: Das Schwäbisch-Hällische Schwein bietet Vorteile für den Ökolandbau
Viele alte Haustierrassen sind vom Aussterben bedroht, weil die moderne Landwirtschaft fast nur noch auf Hochleistungsrassen setzt. Doch diese Beschränkung birgt auch Risiken: Nutztiere wie Rind oder Schwein verarmen genetisch und werden anfälliger für Krankheiten. Tierzüchter aus Süddeutschland haben jetzt in einem Forschungsprojekt die Eignung des Schwäbisch-Hällischen Schweins für den Ökolandbau untersucht. Ergebnis: Diese alte, schwarz-weiß gezeichnete Haustierrasse hat gegenüber den hochgezüchteten, modernen Schweinerassen einige Vorteile. Die robusten Tiere sind gute Futterverwerter, kaum stressanfällig und bestens geeignet für eine Weidehaltung. Aber vor allem liefern sie Fleisch von ungewöhnlich hoher Qualität.

2. Besser Backen - dank Erbse und Bohne: Weizen im Gemenge aus winterharten Feldfrüchten
Die winterharten Sorten von Erbse und Ackerbohne sind bereits seit einigen Jahren im Saatgutmarkt erhältlich. Forscher der Hochschule für Technik und Wirtschaft haben in Kooperation mit der Universität Göttingen nun in einem Projekt Anbauempfehlungen für den ökologischen Ackerbau entwickelt. Ihr Ziel: ein neues Gemengeanbausystem zur Erzeugung von qualitativ hochwertigem Backweizen zu entwickeln. Im Mittelpunkt stand also die Frage: Wie muss man die Feldfrüchte miteinander kombinieren, damit sich ihre Wachstumsfaktoren ideal ergänzen?

3. "Wer will fleißige Handwerker sehn ...": Eine Austauschplattform für "begeisterte Mitarbeiter im Unternehmen Natur"
Bei der Herstellung von Lebensmitteln aus dem Bioanbau spielt das Lebensmittelhandwerk eine entscheidende Rolle. Natürliche Biorohstoffe werden in Backstuben, Fleischereien und Käsereien frisch und mit hohen Anforderungen an Qualität und Rezepturen zu Bioprodukten verarbeitet. Der Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaus der TU München hat ein "Netzwerk ökologisches Lebensmittelhandwerk" initiiert und dort Leitbilder für das ökologische Lebensmittelhandwerk erstellt. Das Netzwerk ist mit dem Ziel aufgebaut worden, als Austauschplattform für die Bildungsanbieter im ökologischen Lebensmittelhandwerk zu dienen und die Profilierung des ökologischen Lebensmittelhandwerks zu fördern. Inzwischen ist aus dem Netzwerk der Verein "biohandwerk e.V." hervorgegangen ( http://www.biohandwerk.de ).

4. Gut gelagert über den Winter
Die Umweltvorteile des Ökolandbaus enden nicht, wenn die Ernte eingefahren ist. Auch die Lagerung erfordert alternative Verfahren jenseits von Pestiziden und Bestrahlung. Dabei stellt sich die Frage, wie sich Schädlinge und Nützlinge zueinander verhalten und wie Biolebensmittel am besten eingelagert werden können. Der Kornkäfer Sitophilus granarius beispielsweise, der bedeutendste Schadkäfer in gelagertem Getreide, kann mit der parasitischen Lagererzwespe (Lariophagus distinguendus) bekämpft werden. Und gegen die Dörrobstmotte Plodia interpunctella und die Mehlmotte Ephestia kuehniella, die Schäden in gelagertem Mehl und Getreideprodukten hervorrufen, helfen die Wespen Habrobracon hebetor, Venturia canescens und Trichogramma sp.

5. Winterackerbohnen im Ökolandbau
Ökologisch wirtschaftende Mastbetriebe füttern ihre Tiere zumeist mit dem, was auf den eigenen Feldern wächst oder kaufen, wenn dies nicht möglich ist, Futtermittel aus heimischen Regionen dazu. Soja aus ehemaligen Regenwaldgebieten ist tabu. Wissenschaftler an der Uni Göttingen zeigen, dass es sich für Biobauern lohnt, eiweißreiche Erbsen, Acker- und Sojabohnen nicht nur im Sommer anzubauen, sondern auch auf Wintererbsen (Sorte EFB 33) oder Winterackerbohnen zu setzen. Auf den Forschungsfeldern der Uni Göttingen führte der extrem kalte Winter 2002/03 mit Temperaturen von minus 19 Grad Celsius ohne Schnee zu einer sehr harten Auslese in Sachen Winterfestigkeit. Die Pflanzen, die diesen Winter überlebt haben, bilden die Grundlage für neue Sorten, die Biobauern zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Winterbohnen werden im Herbst gesät. Sie blühen und reifen früher als die üblichen Sommerformen und werden dementsprechend früher geerntet, sodass sie von der hierzulande verbreiteten Sommertrockenheit nicht betroffen sind.




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