Jod ist ein lebenswichtiges Spurenelement in der menschlichen Ernährung. Die Versorgung ist bei einer unbewussten Ernährung nicht sichergestellt. Wer sich über Jod informiert, ist schnell mit gegensätzlichen Aussagen konfrontiert. Einige von ihnen gehören in das Reich der Mythen. Das Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V. hat solche Mythen auf der Basis aktueller wissenschaftlicher bzw. medizinischer Fakten bewertet.

 

1. In Deutschland gibt es eine steigende Zahl von Jodgeschädigten.

Die Fakten: Viele Fachinstitutionen, u.a. das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin, bestätigen diese Aussage nicht (1, 2). Das BfR stellt dazu fest: Einen sichtbaren Anstieg von jodbedingten Überfunktionen der Schilddrüse oder auch immunbedingten Krankheiten der Schilddrüse wie Morbus Basedow und Morbus Hashimoto gibt es für die Gesamtbevölkerung nicht. Die Aussage der Kritiker bezieht sich z.T. auf Entwicklungsländer oder die ehemalige DDR. Das ist mit dem heutigen Deutschland nicht vergleichbar. Eine Überversorgung mit Jod ist eher selten. Jodausscheidungen von über 300 MiKrogramm/L bzw. Aufnahmemengen von 500 MiKrogramm/d sind jedoch zu vermeiden. Die deutsche Bevölkerung ist mit einer durchschnittlichen Jodausscheidung von 100 MiKrogramm/d davon weit entfernt.

2. Zuviel Jod führt zu "Jodallergie".

Die Fakten: Die Zunahme allergischer Reaktionen auf Grund der Jodierung von Lebens- und Futtermitteln kann nicht belegt werden. Überempfindlichkeits-Reaktionen auf jodhaltige Medikamente und allergische Kontaktekzeme auf Jod sind sehr selten. Die Atome des Mineralstoffes Jod sind auch zu klein, als dass sie als Allergen wirken könnten. Dafür wäre eine bestimmte Molekülgröße bzw. eine Einbindung von Jod in Eiweißverbindungen notwendig. Dies ist aber beim jodierten Speisesalz nicht der Fall.

3. In Deutschland werden Lebensmittel heimlich "zwangsjodiert".

Die Fakten: Die Verwendung von Jodsalz in privaten Haushalten, Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung und der Lebensmittelwirtschaft hat die Jodversorgung der Bevölkerung in Deutschland verbessert. Dass Jodsalz verwendet werden darf, beruht auf Beschlüssen von wissenschaftlichen Gremien und den zuständigen Behörden. Von "Heimlichkeiten" kann jedoch dabei nicht die Rede sein: Denn für die Erlaubnis zur Jodierung von Speisesalz oder Futtermitteln waren seit den frühen 1990er Jahren mehrere Gesetzesänderungen notwendig. Der Gebrauch von Jodsalz bei abgepackten Lebensmitteln kann auch der Zutatenlisten entnommen werden. Bei losen Waren (zum Beispiel bei Back- oder Fleischwaren) muss er heute nicht mehr mit dem Extra-Hinweis "mit jodiertem Speisesalz" deklariert werden. Durch Kenntnis spezieller Deklarationen können Verbraucher selbst viel tun, um den Jodgehalt in ihrer Ernährung zu verbessern. Das jodierte Speisesalz für die Verwendung im privaten Haushalt ist z.B. als "jodiert" gekennzeichnet. Viele Hersteller oder Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie kennzeichnen den Zusatz von Jodsalz freiwillig, z.B. mit einem entsprechenden Siegel für Jodsalz.

4. Bei uns herrscht eine "Jodschwemme", verursacht durch die Jodierung von Tierfutter und Speisesalz.

Die Fakten: Kritiker der Jodsalzprophylaxe sprechen von einer "Jodschwemme" in Deutschland und verweisen auf steigende Jodallergien und Immunerkrankungen. Das BfR bestätigt eine solche Zunahme nicht. Eine "Schwemme" müsste sich zudem in überhöhten Jodmengen im Urin des Menschen nachweisen lassen. Die Fakten zeigen jedoch das Gegenteil: So zeigt eine aktuelle Untersuchung unter deutschen Grundschülern, dass in der Zeit von 2004 bis 2009 ein verschlechterter Jodstatus unter den Kindern erkennbar ist. Viele Studien und Argumente zeigen, dass die Jodierung von Tierfutter und Speisesalz flächendeckend keine negative Folgen hat (2, 3, 4, 5, 6). Zudem existieren gesetzliche Höchstmengen für Jod in Salz und Futtermitteln (7).

5. Nur im Süden Deutschlands herrscht Jodmangel.

Die Fakten: Für Jodmangel sind mehrere Ursachen verantwortlich: z.B. jodarme Böden, zu wenig Verzehr von Seefisch und Meeresfrüchten sowie jodarmes Trinkwasser. Ein regionaler - früher häufig im Süden Deutschlands - auftretender Jodmangel ist heute nicht mehr erkennbar. Die Regionen Deutschlands sind - gemessen an den Erkrankungsraten - gleichermaßen betroffen. Eine gute Jodversorgung ist deshalb überall Ziel von Prophylaxe.

6. Wer Seefisch isst, braucht kein zusätzliches jodiertes Salz.

Die Fakten: Der Verzehr von Seefisch oder Meerestieren in Deutschland ist zu gering, um dem Jodbedarf zu decken. Zwar ist die Jodversorgung durch Lebensmittel in küstennahen Regionen etwas besser, reicht aber nicht aus. Fisch trägt nur ca. 3 % zur Jodversorgung von Kindern und Jugendlichen bei (8). Der Arbeitskreis Jodmangel beziffert diesen Beitrag für die Gesamtbevölkerung auf 9 % (9). Jodiertes Speisesalz ist heute zur Hauptquelle von Jod geworden. Der Verzehr von Seefisch bzw. das Leben in Hochsee-Nähe bietet also keinen Schutz vor Jodmangelkrankheiten und der Verzehr von Jodsalz ist auch in diesen Regionen hilfreich. Milch und Milchprodukte tragen zu mehr als einem Drittel zur Jodversorgung in Deutschland bei.

7. Die Lebensmittelfakten: Die Jodgehalte verschiedener Lebensmittel

Um den Jodbedarf eines Tages allein mit Fisch zu decken, müsste ein Erwachsener pro Tag ca. 230 Gramm Seelachs essen. Andere Lebensmittel tragen aber auch zur täglichen Jodversorgung bei. Als Ernährungsempfehlung für das Spurenelement Jod rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE), täglich Milch- und Milchprodukte sowie ein bis zweimal pro Woche Seefisch zu essen. Kabeljau (229 MiKrogramm Jod/100g) und Schellfisch (135 MiKrogramm Jod /100g) sind beispielsweise sehr geeignet. Milch oder Naturjoghurt hat einen Jodgehalt von ca. 2,7 - 3,5 MiKrogramm/100g. Jodsalz trägt mit 15-20 MiKrogramm/g zur Jodversorgung bei (10). Schwangeren und Stillenden wird - nach Rücksprache mit dem Arzt - zur Einnahme von Jodtabletten geraten (11).


   Quellen: 
   (1) Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg): Fragen und Antworten zur Jodversorgung und zur Jodmangelvorsorge, FAQ des BfR 
vom 7. Februar 2012 

   (2) Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg): Nutzen und Risiken der Jodsalzprophylaxe in Deutschland. Stellungnahme des BfR vom 01. 
Juni 2004 

   (3) Arbeitskreis Jodmangel: http://www.jodmangel.de/fragen_und_antworten/rech. am 15.05.2013 

   (4) Diethelm K. et al.: Nutrient intake of European adolescents: Results of the HELENA (Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in 
Adolescence) Study. Public Health Nutrition 2013, 3: 1-12 

   (5) Johner, S.A.; Günther L.B.; Remer, T.: Current trends of 24-h urinary iodine excretion in German schoolchildren and the importance 
of iodised salt in processed foods. British Journal of Nutrition 2011, 1056: 1749-1756. 

   (6) Johner, S.A. et al: Iodine status in preschool children and evaluation of major dietary iodine sources: a German experience. Epub
ahead of print, European Journal of Nutrition 12/2012. PMID: 23212532

   (7) Großklaus, R. et al.: Universelle Salzjodierung für Mensch und Tier. ErnährungsUmschau 2004, 4: 138-143. 

   (8) Remer, T. et al: Jodversorgung von Schulkindern in Deutschland- Ergebnisse der DONALD-Studie. In Deutsche Gesellschaft 
für Ernährung e.V. (Hrsg): Ernährungsbericht 2012
 
   (9) Arbeitskreis Jodmangel: Entwicklung der Marktanteile von jodiertem Speise- und Pökelsalz am gesamten Speisesalzabsatz in 
Großgebinden in Deutschland. http://jodmangel.de/presseinfos/bilder/grossgebinde07.jpg recherchiert am 15.05.2013
 
   (10) Souci, Fachmann, Kraut: Die Zusammensetzung der Lebensmittel. WVG: 2008. 

   (11) DGE (Hrsg): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neuer Umschau Buchverlag 2012. 

 




Anzeige






Go to top
Template by JoomlaShine